Fußspuren des 20. Jahrhunderts

Der Geopark Ralsko ist ein Gebiet, wo man die FUSSSPUREN DES 20. JAHRHUNDERTS sehen kann, denn die wichtigsten dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts haben die hiesige Gegend auf prinzipielle Art geprägt – die Menschen wie auch die Landschaft. Das Territorium des Geoparks ist ein Beweis dafür, dass die Landschaft mit der Politik zusammenhängt und selbst ein Politikum, eine öffentliche Angelegenheit, ist.

LANDSCHAFT MIT WAFFEN

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebiet für militärische Übungen (Training der Luftwaffe auf den Flugplätzen Hradčany und Hvězdová). Nach der Aussiedelung der deutschen Bevölkerung nach dem Krieg wurde hier keine zusätzliche tschechische Bevölkerung dauerhaft angesiedelt. In den Jahren 1947 bis 1951 fand hier die schrittweise Einrichtung eines Truppenübungsgeländes für Land- und Luftstreitkräfte der tschechoslowakischen Armee statt. 1968 war ein weiterer Wendepunkt, als hier Einheiten der Sowjetarmee und sowjetische Kernwaffen stationiert wurden. Das Gebiet wurde noch stärker isoliert und es kam eine völlig neue Gruppe von Einwohnern hinzu.

AUSGELÖSCHTE SIEDLUNGEN

Das Militärsperrgebiet bestand bis 1991. In diesem Zeitraum verschwanden unwiederbringlich 17 Gemeinden mit ihren Kirchen und Friedhöfen, dafür entstanden Bauwerke, die militärischen Zwecken dienten. Das Territorium schottete sich von der Umwelt ab und die Geländeteile, die das Militär unberührt ließ, wurden im Handumdrehen von der Natur zurückerobert. Mit dem Fortgang der Bewohner verschwand auch der Landwirt, der sich um die Landschaft kümmerte, und das „Gedächtnis“ der Landschaft ging verloren. Heute müssen wir dieses Gedächtnis suchen und erneut daran anknüpfen.

URANBERGBAU

Die politisch-ökonomischen Interessen zur Zeit der sog. Normalisierung (1968-1989) bedeuteten für das Gebiet Podralsko weitere zerstörerische Eingriffe, die das Antlitz der Landschaft wesentlich prägten und die Schicksale der hiesigen Menschen beeinflussten. 1967 wurde hier die Uranförderung aufgenommen. Der Uranbergbau brachte zwar einen ökonomischen Impuls für die hiesige Region, aber auch unglaubliche ökologische Altlasten.