Ein Fenster ins Innere der Erde

LANDSCHAFT AUS DEM MEER GEBOREN

Vor 90 Millionen Jahren, in der Kreidezeit des Mesozoikums, war das Gebiet des Geoparks von einem seichten Meer bedeckt. An dessen Grund setzten sich Quarzsand und Kies ab, woraus mit der Zeit durch den Druck der darüber befindlichen Schicht ein festes Gestein, der Sandstein, entstand. Nach dem Zurückweichen des Meeres begannen externe Kräfte (Wasser, Wind, Eis, lebende Organismen) auf die Sandsteinplatte einzuwirken, die daraus ein geradezu verworrenes Mosaik von Formen modellierten. Hier im Geopark haben sie Gelegenheit, die „bildhauerischen Werke“ der Natur zu sehen - Felstürme, Felsentore und an Sanduhren oder Bienenwaben erinnernde Felsgebilde.

EIN WELTUNIKAT - POLZENIT

Die vulkanische Aktivität im Mesozoikum und vor allem im Tertiär verlieh der Landschaft ein neues differenzierteres Gesicht. Der übermütig durch den Geopark mäandernde Fluss Ploučnice hat einem der ältesten Vulkangesteine der Böhmischen Kreidetafel , dem Polzenit, seinen Namen gegeben und sich damit in die Geschichte der Geologie der Welt eingeschrieben. Polzenit quoll unter dramatischen Umständen vor etwa 75 Millionen Jahren als heißes Magma aus den Tiefen der Erde, und weil es schnell zur Oberfläche aufstieg, blieb es ohne größere Beimengungen aus der Erdkruste. Wir erfahren deshalb viel über den Erdmantel. Danach erkaltete es und lag unter einer Schicht der hiesigen Sandsteine verborgen. Infolge der allmählichen Verwitterung und Abtragung des weicheren Sandsteins gelangten die Polzenitgänge an die Oberfläche. Der Geopark Ralsko ist somit ein Fenster ins Innere der Erde.

DAS GEHEIMNIS DES „EISENSTEINS“

An vielen Stellen des Geoparks wurden zu Ton mutierte Teile von Vulkangesteinsadern als Eisenerz gefördert. Der Abbau erfolgte vor allem im 17. und 18. Jahrhundert und bis heute kann man in der Landschaft Spuren davon als Tagebaurestlöcher (sog. Pingen) oder oberflächennahe Stollen (auf dem Děvín) finden. Aus dem geförderten Erz, das die deutschen Bergleute „Toneisenstein“ nannten, wurde dann in Hochöfen (sog. Hütten) Eisen gewonnen.

LANDSCHAFT ZWISCHEN DEN BURGEN

Die harten Vulkangesteine trotzen der Erosion wesentlich besser als weiche Ablagerungsgesteine (Sandstein). Daher bilden sie überhöhte Reliefformen – isolierte Kegel oder Rücken. Diese steilen und oft schwer zugänglichen Gipfel boten sich als geeigneter Platz für den Bau mittelalterlicher Burgen an (Ralsko, Děvín, Bezděz).